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Termine
Die Rede
„Zwischen Anpassung und Widerspruch“
3. Feb. 2016, 19.00 Uhr
Kulturforum Schwimmhalle Plön
Roland Jahn
Bundesbeauftragter für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Berlin

KulturBilanz 2016
8.März 2016, 19.30 Uhr
Landeshaus, Düsternbrooker Weg 70, Kiel
Kulturredakteure aus SH diskutieren Kulturpolitik


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Archiv

  • 2015-11-19 - WillkommensKultur
  • 2015-09-24 - JazzFoerderPreis
  • 2014-11-20 - Die Rede mit Bjoern Engholm
  • 2014-09-25 - JazzFoerdererPreis
  • 2014-09-23 - Kultur macht mobil
  • 2014-08-23 - Sommerfest
  • 2014-06-19- Wozu Theater
  • 2014-02-26 - Die Rede - Dr Anette Huesch
  • 2014-02-18 - Kulturbilanz
  • 2013-09-12 - Verleihung JazzFoerderPreis
  • 2013-08-24 - Sommerfest zusammen mit dem Kulturforum Hamburg
  • 2013-07-10 - Besichtigung Campus Muthesius Kunsthochschule
  • 2013-06-04 - Kultur macht mobil
  • 2013-04-30 - Badekultur
  • 2012-11-29 - Weinkultur im Buddenbrookhaus in Luebeck


  • 2013-04-30 - Badekultur

    Am 30. April 2013 fand im Eckernförder Rathaus die Veranstaltung "Badekultur" statt, zu der das Kulturforum Schleswig-Holstein e.V., das Museum Eckernförde und die Kulturbeauftragte der Stadt Eckernförde eingeladen hatten.

    Die Veranstalter wollten unter Kultur nicht nur die traditionelle Hochkultur verstehen. Unterschiedliche Alltagskulturen prägen unser Leben in großem Maße. Die Ursprünge der europäischen Badekultur liegen in der Antike. In der Neuzeit ist die Badekultur eng mit der Entstehung von Kurorten mit Thermalquellen sowie Seebädern verbunden. Die ersten Fluss- und Seebäder entstanden in Europa Ende des 18. Jahrhunderts und öffentliche Volksbäder sogar erst Ende des 19. Jahrhunderts: das erste deutsche Volksbad 1855 in Hamburg am Schweinemarkt. Sie verfolgten vorwiegend hygienische und gesundheitliche Zwecke. Heute sind Frei- und Hallenbäder und der Badeurlaub am Meer und an Seen weit verbreitet; Vergnügen und Erholung stehen dabei im Vordergrund.
    Fragen des Abends waren: Wie hat sich die Kultur des Badens bei uns in den letzten 150 Jahren verändert? Welche Erwartungen hatten und haben die Badegäste? Welche Angebote wurden und werden ihnen gemacht? Wo geht die Entwicklung hin? Übernimmt auch auf diesem Feld die standardisierte Spaß und Eventkultur immer stärker die Regie?

    Ablauf:

    Begrüßung
    Andrea Stephan M.A., Kulturbeauftragte Stadt Eckernförde
    Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann, Vorsitzender des Kulturforums SH

    Impuls
    BadeLeben – gestern und heute – lebendig in Exponaten der Sammlung
    Dr. Uwe Beitz, Leiter des Musuems Eckenförde

    Bilderschau
    Eckernförde geht baden – eine Bilderschau
    Dr. Stefan Deiters, Publizist

    Stummfilm
    BadeLeben in den frühen 30er Jahren – 13 Minuten

    Gesprächsrunde
    BadeKultur – gestern, heute, morgen
    Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH
    Horst Böttcher, Bürgermeister der Gemeinde Damp und Bauherr des neuen Entdeckerbades
    Werner Pötzsch, ehemaliger Leiter der Kurverwaltung Eckernförde
    Moderation: Klaus Buß, Bürgermeister a.D. und Minister a.D.



    Vom Badehaus bis zum Bewertungsportal (sh:z/Eckernförder Zeitung, 02.05.2013)
    Eckernförde. "Badekultur, gestern-heute-morgen" lautete der Titel einer Veranstaltung des Kulturforums Schleswig Holstein am Dienstagabend, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum und der Kulturbeauftragten Andrea Stephan rund 80 Zuhörer zu einem kurzweiligen Abend in den Ratssaal lockte. Ist das Strand- und Badeleben aus Eckernförde inzwischen nicht mehr wegzudenken, war das in früherer Zeit nicht immer so. "Hatten die Römer schon 200 Jahre n. C. schon Badelandschaften mit mehr als 100 000 Quadratmeter Grundflächen und dabei täglich bis zu 6000 Besucher, konnte man im Norden allenfalls von einer Randkultur zweiter Ordnung im damaligen Vergleich sprechen", sagte Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann in seiner Einleitung.

    Nicht immer ging mit dem Besuch einer Badeanstalt das heutige Verständnis von Spaß, Sport und Erholung einher. Als die ersten deutschen Volksbäder Ende des 19. Jahrhunderts öffneten, verfolgten diese vorwiegend hygienische und gesundheitliche Zwecke. Der besonderen Bedeutung der Bademode hierzu trug Dr. Uwe Beitz Rechnung, der anhand eines Exponats aus dem Museum die "Vorzüge" des Badeanzugs aus den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts Rechnung trug. "Bei den Frauen musste Brust und Leib bis hin zu den Knien vollständig bedeckt, die Beine angeschnitten und mit einem Zwickel versehen sein", berichtete Beitz, der damit auf den Zwickelerlass von 1932 verwies, der nur zehn Jahre später durch die Nationalsozialisten aufgehoben und mit der propagandierten Freikörperkultur eine völlig neue Richtung erhielt.

    In einer Zeitreise ging Dr. Stefan Deiters der Frage nach, wie aus der Ostseestadt ein Seebad wurde. "Vor 1830 gab es hier noch nichts, was mit einem Ostseebad in Verbindung zu bringen wäre, den Anfang machte damals allerdings Borby", erläuterte Deiters. Das erste Badehaus entstand 1831 als Warmbadeanstalt, zwei Badeflöße, nach Geschlechtern getrennt, folgten jeweils im jährlichen Abstand. Auch war seiner Zeit genau geregelt, wie das Baden zu erfolgen hat: "… Am besten ganz entkleidet, sensible, schwächliche Damen könnten eine Ausnahme machen … auch verweile man nur solange, bis der Schauder sich in ein angenehmes Gefühl der Wärme verändert hat", so das Zitat aus einem zeitgenössischen Bericht. Viel ist passiert, das Marien-Luisen-Bad entstand und wurde 1910 als "ältestes bestrenommiertes Badehotel in Borby" beworben, in das auch der Kaiser einkehrte. Die Zuhörer erfuhren auch, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Baden für Erwachsene außerhalb der Badeanstalt bei Strafe verboten war und in der Badeanstalt "Seegarten" durch eine Holzwand sichtverwehrt vor den Blicken des anderen Geschlechts, vom Stege aus gebadet wurde.

    War der erste Teil noch der Vergangenheit gewidmet, ein Film aus den 30 Jahren machte nicht nur das Badeleben deutlich, gab die anschließende Gesprächsrunde mit Klaus Buß, Bürgermeister und Minister a. D., Werner Pötzsch, ehemaliger Leiter der Kurverwaltung, Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförder Touristik und Marketing GmbH und dem Bürgermeister der Gemeinde Damp, Horst Böttcher, einen Ausblick in die neuzeitliche und zukünftige Entwicklung. Urlaub nur am Strand, dazu Strandburgen bauen, stand bis in die 70er Jahre im Vordergrund, danach war auch Kulturelles angesagt. Eckernförde hatte dafür Idealbedingungen. "Die Kombination Strand, Altstadt und Hafen findet man sonst kaum an der Ostsee", argumentierte Pötzsch, der diesen Wandel als Kurverantwortlicher miterlebte und den Bau des Meerwasserwellenbads 1972 als touristischen Meilenstein bezeichnete. Sah man sich früher im touristischen Angebot eher als Konkurrenten, ergänzt man sich. "Auch im Winter ist es wichtig Touristen zu bekommen", argumentierte Böttcher. Aus seiner Sicht seien Spaßbäder "out" und Themenbäder "in", mit einem kurzen Ausblick auf das in Damp entstehende Bad zum Thema Nordeuropa machte er neugierig. Touristen heute informierten sich über Bewertungsportale im Internet, sagte Eckernfördes Touristikchef Stefan Borgmann, das sei für die Zukunft handlungsbestimmend.

    Quelle
    Vom Badehaus bis zum Bewertungsportal
    sh:z/Eckernförder Zeitung, 02.05.2013, Text/Fotos: Udo Hallstein


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